Grenzerfahrungen

Sport ist für mich: Vertrauen in meine Fähigkeiten und in ein starkes Team, die Chance,
eine Goldmedaille zu gewinnen
und die Möglichkeit, eigene Grenzen zu verschieben.

Ich suche immer wieder den Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Ich möchte mich körperlich, aber auch mental bis an meine Grenzen treiben und diese immer wieder verschieben. Das Gefühl, immer neue Ziele zu erreichen, beflügelt mich. Gesetzte Ziele zu erreichen, ist zum Großteil Kopfsache. Man muss an seinen Erfolg glauben, trainieren und sich Durchhaltestrategien für schwache Momente zurechtlegen.

Welche Herausforderungen ich in den vergangenen Jahren gesucht habe, lesen Sie hier:

Radmarathon Trondheim-Oslo

Rund 540 Kilometer mit etwa 3.400 Höhenmetern, am Stück und ohne zu schlafen – das bedeutet eine Teilnahme am Radmarathon Trondheim-Oslo. Der Styrkeprøven (deutsch: „große Kraftprobe) hat mich schon immer gereizt. 2013 trainierte ich hart und sehr diszipliniert und bestritt das Rennen gemeinsam mit meinem Trainingspartner Alex Heim. In knapp 23 Stunden – etwa 19 davon in strömendem Regen. 2014 haben wir uns trotz geringen Trainings um eine halbe Stunde verbessert. Unser Ziel für 2016: unter 22 Stunden.

Kilimandscharo-Besteigung 2013

Blind auf den höchsten Berg Afrikas – warum nicht? Unterstützt von Annika und Joachim Wechner, einem befreundeten Ehepaar, habe ich den Kilimandscharo (5.895 Meter) und den Mount Meru (4.500 Meter) bezwungen – den Mount Meru als erste Blinde überhaupt. Entscheidend für das Erreichen des Gipfels waren die hervorragende Kommunikation im Team, das Vertrauen in meine Fähigkeiten und meine Begleiter und die Konzentration auf das Ziel. Ich bin mit vielen tollen Eindrücken und Erfahrungen aus Afrika zurückgekehrt.

Alpenüberquerung 2011 mit gebrochenem Arm

Weil ich über eine Stufe gestolpert war und mich unglücklich abgefangen hatte, musste ich 2011 für mehrere Wochen einen Gips am rechten Arm tragen. Die geplante Alpenüberquerung mit meinem Tandempartner Alex Heim wollte ich deswegen aber nicht absagen. Schließlich sollte ich mit den Beinen, nicht mit den Armen treten. So fuhren Alex und ich mit drei Armen über die Alpen und erlebten eine insgesamt wunderschöne Tour. Wegen der Schmerzen im Arm und an der Schulter und dem Jucken unter dem Gips wurde sie teilweise zu einer Kraft- und Nervenprobe – vor allem als wir den Albula-Pass überquerten. Diese Grenzerfahrung hat mich aber bestärkt, Europas längsten Radmarathon zu fahren. Nach der Alpenüberquerung war ich mir sicher: Mit vier Armen schaffen wir auch 540 Kilometer von Trondheim bis Oslo.

Base Flying 2011

Binnen Sekunden 125 Meter in die Tiefe fliegen – das gönnte ich mir mit Jochen Schweizer. Und zwar gleich vier Mal an einem Tag. Gesichert durch ein spezielles Gurtsystem genoss ich das unbeschreibliche Freifallgefühl. Zwei Mal vorwärts, zwei Mal rückwärts. Das Hängen in der Luft, bevor es losgeht und die unterschiedlichen Posen für die Fotografen waren absolut aufregend. Solche Erlebnisse kann ich jedem empfehlen.

Eifel-Klassik von AUDI 2010

Das war wirklich blindes Vertrauen, bei meiner Premiere als „Begleitläuferin“: Als Co-Pilotin navigierte ich den zweifachen Deutschen Tourenwagenmeister Harald Demuth durch die Eifel rund um den Nürburgring. Bei der Oldtimer-Rallye sagte ich die Strecke an, die ich in Brailleschrift vom Roadbook ablas. Harald Demuth hatte absolutes Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten als „Navigationssystem“.

House Running 2010

Ein Adrenalin-Erlebnis in großen Höhen: Auf dem Dach eines Münchner Hotels testete ich zusammen mit Jochen Schweizer meinen Mut und meine Stärke und wagte den Schritt über die Dachkante mit anschließendem Lauf in 60 Meter Tiefe – blind und diesmal ohne Begleitläufer. Nach meinem Unfall 2009 war neben dem sportlichen Training auch der Aspekt der Angstüberwindung als Basis für neuen Vertrauensaufbau wichtig. Die Überwindung, mich an der Dachkante einfach ins Nichts kippen zu lassen, war eine ganz besondere Erfahrung, über die ich gerne in meinen Vorträgen und Seminaren spreche.

Paralympics in Vancouver 2010

Fünf Mal Gold – meine Ausbeute bei den Paralympics 2010 in Vancouver. Ein riesiger Triumph, ein Jahr nach meinem folgenschweren Sturz. Die Krönung meiner sportlichen Karriere.