Geschafft! Nach 540 km auf dem Tandem in Oslo angekommen.

Nach der Besteigung des Kilimanjaro im Februar bestreite ich am 22. Juni eine neue sportliche Herausforderung – den Radmarathon Trondheim-Oslo (Styrkeprøven, norwegisch: „große Kraftprobe“). Rund 540 Kilometer mit etwa 3.400 Höhenmetern müssen dabei bewältigt werden. Circa 9.000 Radsportler nehmen an dem Rennen teil. Gut 2.500 werden die gesamte Strecke absolvieren, die übrigen fahren Teilstrecken. Die schnellsten Fahrer sind nach unter 13 Stunden im Ziel (2012 siegte der Deutsche Axel Fehlau). 

Mein Ziel: Die rund 540 Kilometer in einem Tag, ohne Schlafen und mit Motivation bis zum letzten Meter zu schaffen. Ich suche immer wieder extrem den Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Ich möchte mich körperlich, aber auch mental bis an meine Grenzen treiben und diese immer wieder verschieben.

Seit vielen Wochen beginnt mein Tag meist mit zwei Stunden auf dem Hometrainer. An den Wochenenden geht es in der Bodenseegegend aufs Renntandem, zusammen mit meinem guten Freund, Ingenieur Alex Heim (46), der mich auch in Norwegen begleiten wird. Anfang März trainierten wir eine Woche auf Mallorca. Wir fuhren etwa 100 Kilometer am Tag, ganz locker, so dass wir zwischendurch einen Cappucchino trinken konnten. Seit Mitte März fahren wir jedoch fast nur noch im Regen bzw. trainieren im Fitnessstudio, wenn das Wetter unerträglich ist und die Straßen zu glitschig sind.

Bis zum 22. Juni habe ich noch viel (Büro-)Arbeit, mehrere Vorträge und Wahlkampf für die SPD. Aber natürlich stehen viel Schlaf, ausgewogene Ernährung und das Training auf meiner Tagesplanung an erster Stelle. Ich trinke viel Wasser, esse genügend Eiweiß, trainiere fünf Mal pro Woche und fahre noch eine ganz lange Tour. Am Wochenende vor dem Rennen machen wir kürzere, schnelle Touren zur Aktivierung. Und dann heißt es: Augen zu und durch.

Auf eine perfekte Teamarbeit wird es in Norwegen ankommen. Jeder von uns beiden wird seine starken Phasen haben, aber es werden auch Schwächen deutlich sichtbar sein. In diesem Fall müssen wir uns gegenseitig motivieren, müssen die Schwäche des Teampartners auffangen und unser Potential immer wieder aktivieren. Ich weiß, dass Stress und Erschöpfung auch zu Diskussionen führen kann, darauf müssen wir uns einstellen. Zu meinen Kunden sage ich in Seminaren immer, dass sie Stress am besten mit transparenter Kommunikation und mit gesundem Feedback bewältigen. Das nehmen Alex und ich uns natürlich auch zu Herzen.

Was zeichnet meinen Trainingspartner aus? Alex hat stets gute Laune und hält auch dann noch durch, wenn es mir auf dem hinteren Sattel reicht. Er ist der Bergspezialist, liebt den schönen Blick im Allgäu oder auf einem Alpenpass und ist mit mir 2011, als ich einen Arm in Gips hatte, über die Alpen gefahren. Ein wenig verrückt ist er, genau wie ich. Eine gute Voraussetzung für Norwegen, finde ich.

Seit rund 20 Jahren ist Alex mit dem Tandem quer durch Europa unterwegs. Wettkämpfe ist er, bevor er mich getroffen hat, nie gefahren. Inzwischen ist er richtig ehrgeizig, trainiert fast jeden Tag nach der Arbeit. 

Zu unseren besten Erlebnissen zähle ich die zwei Staffel-Teilnahmen beim Triathlon in Roth. 2011 und 2012 fuhren wir jeweils 180 Kilometer auf dem Rad, 2012 waren wir für Bayern 3 am Start. Bei dieser Staffel ist Alex vor lauter „Begeisterung“ in die dritte Runde gefahren. Er hat, wohl wegen der Aufregung, die Einfahrt zur Wechselzone verpasst. Nach fünf Minuten bzw. zehn gefühlten Minuten, sind wir dann umgedreht und wirklich ins Ziel gefahren.

Mit meiner Freundin Annika Wechner habe ich diverse Radrennen bestritten (mit ihr war ich auch auf dem Kilimanjaro). 2011 gewannen wir sogar die Deutschen Paracycling Meisterschaften im Zeitfahren. Zwei Monate später folgte ein achter Platz bei der WM in Dänemark.

Weitere Informationen unter www.styrkeproven.no/de.

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